Agentur oder Verlag? Eine Entscheidungshilfe

Agentur oder Verlag? Eine Entscheidungshilfe

Ahoi! In diesem Artikel erfährst du:

  • Welche Kriterien dir bei der Entscheidungsfindung helfen
  • Ob Selfpublishing eine Alternative ist
  • Warum du von Druckkostenzuschussverlagen die Finger lassen solltest

Setzen wir die Segel:

Der Bond-Streifen Goldeneye gilt als einer der wichtigsten Filme der Reihe und ist übrigens auch der Erste mit Pierce Brosnan. Was die meisten allerdings nicht wissen ist, dass Goldeneye eigentlich ein Anwesen auf Jamaika ist. Eigentümer war kein anderer als Schriftsteller und Bond-Vater Ian Fleming, der dort 14 Romane schrieb. Verlag oder Agentur – ob sich die Frage Fleming damals auch stellte ist mir nicht bekannt. Es waren aber auch andere Zeiten. Wie siehst du das heute? Denkst du, eine Literaturagentur hat auch einen 007, der für dich durch die Verlagslandschaft flitzt und heiße Deals aufreißt? Oder willst du lieber die Sache selbst in die Hand nehmen? Damit es dir leichter fällt, habe ich eine kleine Entscheidungshilfe für dich angefertigt.

Verlag oder Agentur – geschüttelt oder gerührt? Foto: Parviz-Pix, Pixabay

Folgende Kriterien gilt es zu berücksichtigen:

  1. Geld
    Während eine Agentur an der Vergütung prozentual beteiligt ist, erhält man bei einer direkten Zusammenarbeit mit einem Verlag die komplette Summe. Bei einer Agentur sind das in der Regel 15-20% Provision, die allerdings nur dann anfallen, wenn das Manuskript erfolgreich vermittelt wurde. Gleichzeitig kann eine Agentur jedoch direkt ganz andere Konditionen angeboten bekommen, wie du als Debütant. Eine Agentur kennt nämlich die üblichen Preise und ist damit ein stärkerer Verhandlungspartner. Du drückst dich lieber vor einer Verhandlung? Dann könnte es sein, dass eine Agentur auch noch mehr für dich herausholt.
    Fazit: + Verlag

  • Verhandlungsgeschick
    Auf der einen Seite bringt eine Agentur jede Menge Erfahrung in Sachen Verhandlung und Vertragsgestaltung, also auch in rechtlichen Fragen, mit. Eine Agentur weiß in der Regel an welcher Stelle sie was für dich rausholen kann und wird dementsprechend agieren. Auf der anderen Seite entgeht dir jedoch die Erfahrung selbst in Verhandlung zu treten, was in deinem zukünftigen Autorenleben sicherlich hilfreich sein kann.
    Fazit: + Agentur

  • Kontakte & Akquise-Erfahrungen

Wie beim Verhandlungsgeschick kann es äußerst hilfreich sein, eine erfahrene Agentur mit all seinen bestehenden Kontakten an seiner Seite zu haben. Die Agentur kann dir also die Türen in die Verlagswelt eröffnen. Wer selbst kein Fan von Networking oder Akquise ist, kann hier auf eine Agentur setzen. Selbst wird man dann logischerweise weniger Kontakte knüpfen.
Fazit: + Agentur

  • Zeit
    Bei der Suche nach einem geeigneten Verlag kann einem schon mal die Puste ausgehen. Gerade wenn du nebenbei noch einen Job, Familie, Freunde, Haushalt und Co. hast, möchtest du so viel Zeit wie möglich mit dem Schreiben verbringen. Sobald du eine Agentur hast, wird diese dir die Zeit für die Verlagssuche, die Vertragsverhandlung sowie die Abrechnung abnehmen. Aber natürlich benötigst du auch Zeit für die Abstimmung mit der Agentur.
    Fazit: + Agentur

  • Infos
    Sobald du dich auf eigner Faust mit Verlagen und Lektoren austauscht, wirst du für dich neue, relevante Infos über die Branche oder aktuell gesuchte Themen bekommen. Sobald du eine Agentur hast, bekommst du die Infos nicht mehr aus erster Hand. Eine gute Agentur wird dich aber logischerweise informieren, wenn sie für dich relevante Themen mitbekommt.
    Fazit: + Verlag

  • Kollegen
    Bei einer Agentur ist man weniger allein. Neben dem Austausch mit seinem Agenten, gibt es dort unzählige andere Autoren und ggf. Illustratoren mit denen man in Kontakt treten kann. Dieses vernetzten untereinander gibt einem das schöne Gefühl Kollegen zu haben.
    Fazit: + Agentur

  • Vernachlässigung
    Trotz aller Vorteile einer Agentur kann es bei manchen durchaus dazu kommen, dass man auch hier ein wenig untergeht. Eine Agentur zu haben bedeutet nämlich noch lang nicht, dass ein Abschluss garantiert ist. Aber da die Agentur dich nur unter Vertrag nimmt, wenn sie, auch in eigenem Interesse, deine Geschichten vermitteln will, solltest du hier erstmal ein wenig Vorschussvertrauen reingeben. Die Wahrscheinlichkeit ist in jedem Fall wesentlich höher, als im Stapel unverlangt eingesandter Manuskripte unterzugehen.
    Fazit: + Verlag

Du fühlst dich wie ein einsamer Wolf auf den Verlagsstraßen? Foto: Public Co, Pixabay

  • VIP
    Manche Verlage verhandeln nur noch mit Agenturen und Autoren haben gar keine Chance ohne überhaupt wahrgenommen zu werden. Dies ist jedoch die Ausnahme. Dass Verlage oftmals lieber mit einer Agentur als mit den Autoren direkt zusammenarbeiten, ist laut meinen Nachforschungen auch nur zu 50% richtig.
    Fazit: + Agentur

Geschüttelt oder gerührt?

Geschüttelt oder Gerührt? 😊Die verschiedenen Vor- und Nachteile liegen nun auf der Hand. Eine klare Empfehlung gibt es nicht, da es eine sehr individuelle Entscheidung ist. Du musst für dich selber abwägen und wissen, was gut für dich ist. Wichtig ist nur, dass du dein Manuskript nicht an 20 Verlage schickst und dich nach der Absagen-Welle dann an eine Agentur wendest. Denn dass, was die Verlage nicht wollen, will auch eine Agentur nicht mehr.

Wenn du denkst, dass es wesentlich leichter ist eine Agentur zu finden als einen Verlag, muss ich dich leider enttäuschen. Agenturen werden mittlerweile genauso wie Verlage mit Manuskripten bombardiert. Falls du dich für eine Agentur entschieden hast, findest du hier eine gute Auflistung: https://www.text-manufaktur.de/agenturliste.html

Mit Agent*in oder allein. Autoren kämpfen immer. Foto: Alexas_Fotos, Pixabay

Falls du am Ende weder Verlag noch Agentur findest, wäre auch Selfpublishing noch eine Alternative. Manche Autoren planen das auch von vornherein und geben sich gar nicht dem Stress mit der Verlags- und Agentursuche. Hier solltest du aber wissen, dass noch einige weitere zeit- und arbeitsintensive Schritte auf dich zukommen werden, die normalerweise der Verlag für dich übernimmt. Angefangen vom Lektorat, Covergestaltung, über den Druck und bis zur Vermarktung liegen alle Aufgaben bei dir. Außerdem solltest du berücksichtigen, dass du in der Regel keinen klassischen Buchhandel als Vertriebsweg hast und das Preisniveau ggf. nicht Kostendeckend ist. Also gut prüfen und kalkulieren. Dann klappt das auch mit dem Selfpublishing.

Wovon du in jedem Fall die Finger lassen solltest, sind allerdings Druckkostenzuschussverlage. Wenn du irgendwo liest „Autoren gesucht“ solltest du von vornherein skeptisch sein. Leider. Diese ködern uns Schriftsteller*innen oft mit einer Veröffentlichungsgarantie. Das gefährliche jedoch ist, dass diese das Geld direkt vom Autor für ihre Arbeit verlangen. Du bekommst also kein Geld, sondern zahlst auch noch was. Das hat mit dem einem klassischen Verlag nichts zu tun.

Ich hoffe ich konnte dir mit meinem Artikel helfen, dich inspirieren und motivieren. Wenn dem so ist, würde ich mich sehr über einen Kommentar von dir freuen.

Leinen los und schreib schön!

Deine Nicola

Ein Ankerplatz für Geschichten

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ena

    Danke , für die ganzen tollen Infos liebe Nicola.
    Auf die Idee einer Agentur wäre ich garnicht gekommen und realistische, ehrliche Einschätzung zur Lage sind immer willkommen
    Ich freue mich über alles Hilfreiche , damit ich nicht so ganz ahnungslos ins Netz schlittere. Alles Liebe dir und weiterhin viel Erfolg.

    1. nicolaanker

      Ahoi, liebe Ena!
      Gerne. Das freut mich sehr. 🙂
      Seebärige Grüße Nicola

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